Conexpo 2020 – Optimismus und Sorgen "am Vorabend" der Covid-Krise in den USA

VDMA

Größte Baumaschinenmesse Nordamerikas findet trotz extrem unsicherer Rahmenbedingungen statt. Internationalität leidet erheblich unter Coronavirus-Ausbruch. Ursprünglich positive Aussichten der US-Bauindustrie treten angesichts der Situation in den Hintergrund.

Dass die Conexpo in diesem Jahr am Ende stattfinden würde, war in der unklaren Lage bis zuletzt keineswegs sicher. Die Verkürzung um einen Tag und der Fakt, dass sie eine der ganz wenigen Messen rund um den Globus überhaupt ist, die im März 2020 durchgeführt wurden, zeigen deutlich, wie knapp man vor einer Absage stand.

Zahlreiche Aussteller hatten ihr Personal auf der Messe – insbesondere Mitarbeiter von außerhalb Nordamerikas – deutlich reduziert, einige Unternehmen ihre Teilnahme sogar ganz gestrichen. Das Gesamtbild auf der Messe ähnelte dem der bauma 2010, als der europäische Flugverkehr wegen eines Vulkanausbruchs komplett eingestellt worden war: die Besucherzahl ging merklich zurück (wobei keine exakten Zahlen vorliegen) und insbesondere die Internationalität der Messe reichte bei weitem nicht an das Normalmaß heran.

Der Situation entsprechend zeigte sich auf der Messe ein Stimmungsbild zwischen Sorgen um die Gesundheit sowie die Konjunktur und einem (Zweck-)Optimismus bzw. „Jetzt erst recht“-Gefühl. Der nordamerikanische Baumaschinenmarkt hat sehr gute Jahre hinter sich; der Absatz wuchs auch im Jahr 2019 und das Marktniveau liegt aktuell in Höhe des vorherigen Rekordlevels von 2006. Auch wenn das ursprünglich angestrebte Infrastrukturprogramm in der aufgeheizten und polarisierten politischen Stimmung nicht mehr vor der Präsidentschaftswahl im November angegangen wird, bleibt die Bauindustrie weiter stabil.

Diese positive Situation der Kundenbranche wird im Zuge der Covid-Krise in Windeseile von der Realität eingeholt. Wie in vielen Ländern der Welt werden Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu Inaktivität auf amerikanischen Baustellen führen, so dass allein dadurch die Nachfrage nach Maschinen zumindest kurzfristig zum Erliegen kommen wird. Das genaue Ausmaß der Krise ist aber – wiederum analog zu sämtlichen betroffenen Ländern um den Globus – noch überhaupt nicht abzuschätzen.

Am Rande der Messe tauschten sich VDMA und CECE mit dem nordamerikanischen Schwesterverband AEM, gleichzeitig Organisator der Conexpo, über Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung, Handelspolitik und wahrscheinliche Szenarien für die weitere US-Wirtschaftspolitik aus. Eine Deeskalation im Bereich Zölle steht für die Monate bis zur Wahl nicht zu erwarten. Infrastrukturinvestitionen werden unabhängig vom Ausgang der Wahl wohl zum Top-Thema der Administration ab Anfang 2021. Die Branchenverbände sind sich einig, dass gemeinsame Appelle an wirtschaftliche Vernunft und offene Märkte unabdingbar sind.