Indien: Von einer Krise in die nächste

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Covid-Pandemie pulverisiert sämtliche Erwartungen an die Erholung des indischen Marktes nach einem schwierigen Jahr 2019. Baumaschinenabsätze gehen in diesem Jahr dramatisch zurück, vor dem 4. Quartal ist keine Erholung in Sicht. Der Markt kämpft gegen einen Mix aus strukturellen Problemen und Einschränkungen infolge der Pandemie.

Das 18. VDMA India Management Meeting für die Baumaschinen- und Baustoffanlagenbranche musste aufgrund der Pandemie-Situation als Webkonferenz stattfinden. Dennoch folgten 30 Teilnehmer von 18 Mitgliedsunternehmen der Einladung, sich zu den aktuellen Marktentwicklungen auszutauschen. Optimismus war dabei kaum auszumachen – zu heftig waren die jüngsten Markteinbrüche infolge der Coronavirus-Krise.

Schon 2019 war für den indischen Markt ein schwieriges Jahr: Der Baumaschinenabsatz ging um über 15% zurück. Hauptgründe waren Finanzierungsschwierigkeiten – insbesondere zahlreiche Insolvenzen von Nichtbanken-Finanzunternehmen (NBFCs) – sowie Ineffizienzen in der Bürokratie. Die Wiederwahl Modis mit seinem wirtschaftsfreundlichen Programm, das Schwerpunkte auf Infrastrukturinvestitionen legte, sollte die Nachfrage seitens der Bauindustrie in diesem Jahr deutlich ankurbeln. Allerdings schlug nun die Covid-Krise mit voller Wucht zu.

Während des mehrmonatigen Lockdowns kam die Baubranche weitgehend zum Erliegen, nicht zuletzt deshalb, weil viele Arbeiter nicht auf die Baustellen gelangen konnten. Dies hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Maschinennachfrage: in der ersten Hälfte des Jahres lag der Absatz um fast 50% unter dem relativ schwachen Vorjahresniveau. Selbst bei einem Abebben der Pandemie-Welle und einer Rückkehr zur Normalität ist nicht von einer signifikanten Verbesserung der Gesamtbilanz für 2020 zu rechnen.

Problematisch neben den aktuellen Einschränkungen infolge der Pandemie sind vor allem die strukturellen Probleme der Bauindustrie in Indien: Während die Vergabe von Projekten in den letzten Jahren deutlich hochgefahren wurde, liegen bei Durchführung und Vertragsdurchsetzung nach wie vor große Engpässe. Als Konsequenz dieses strukturellen Bürokratieproblems ging der Anteil der Bauindustrie am Bruttoinlandsprodukt bereits seit 2017 wieder zurück.

Ermutigend ist aktuell, dass die Metroprojekte in den großen Städten weiterlaufen und die Investitionen in die Entwicklung von Industriekorridoren (allen voran der Delhi-Mumbai-Korridor) auch Impulse für die Baunachfrage bringen. Dramatisch sind dagegen die aktuellen Entwicklungen im Wohnhochbau und im Wirtschaftsbau. Die VDMA-Mitglieder setzen auf eine Erholung des Marktes im kommenden Jahr, das Vorkrisenniveau von 2018 wird in der näheren Zukunft allerdings sicher nicht erreicht.