Vom Bediener zum Beobachter

VDMA

Der diesjährige Kongress der europäischen Baumaschinenindustrie in Rom, organisiert vom Committee for European Construction Equipment (CECE), stand im Zeichen zunehmender Herausforderungen für die europäische Baumaschinenindustrie durch die Digitalisierung und die internationale Konkurrenz am Beispiel Chinas.

Vom 17. - 19. Oktober diskutierten 170 Experten aus der europäischen Industrie die technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Branche.

Die Digitalisierung von Baumaschinen werde zunehmen, darin war man sich einig. Hier gebe es keinen Weg zurück. Prof. Luca Chittaro von der Universität Udine veranschaulichte, welche Auswirkungen das immer komplexer werdende Human Machine Interface (HMI) auf die Arbeitsweise eines Bedieners von Baumaschinen hat. Klar wurde, dass der Mensch mit seinen Eigenschaften enorme Anforderungen an die technischen Entwicklungen stellt, damit er Maschinen zukünftig intuitiv und gleichzeitig sicher bedienen kann. Eine physische Aktion werde zukünftig nicht mehr benötigt, das Beobachten von Touchscreens und das entsprechende Eingeben der Daten stünden im Vordergrund. Ähnliche Entwicklungen gibt es seit langem in der Luftfahrt. Auch die Auswirkungen auf das Berufsbild und die erforderlichen Fähigkeiten wurden in diesem Zusammenhang diskutiert.

Uneins waren sich die Teilnehmer darüber, ob der E-Commerce in ihrer Branche eine stärkere Rolle einnehmen wird, und ob dies sinnvoll ist. Je nach Produkt vertraten die Industrievertreter hier ganz unterschiedliche Positionen. Einen Konsens gab es nicht.

Telematics war das zentrale Thema im technischen Forum. Welche Geschäftsmodelle entstehen aufgrund der Digitalisierung, was ist schon möglich und was nicht? Moderne Baumaschinen liefern bereits große Mengen an Daten, doch sind diese von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Für die Anwender sind die oft proprietären Lösungen der Baumaschinenhersteller ein Problem. Hier müsse an systemübergreifenden Entwicklungen gearbeitet werden. Im Zuge der Digitalisierung nehme die Bedeutung von Daten und damit gleichzeitig ihr finanzieller Wert zu – dies kann eine Basis für neue Geschäftsmodelle sein.

Im Wirtschaftsforum ging es im Wesentlichen um die Rolle Chinas in der Baumaschinenindustrie. Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung sei es, bis 2049 eine industrielle Supermacht zu werden und bis 2025 massiv in Infrastrukturprojekte zu investieren. Die „Belt and Road Initiative“ mit dem Projekt Seidenstraße sei ein zentrales Beispiel. Die chinesische Regierung unterstütze diese Vorhaben mit Subventionen, wobei die staatseigenen Unternehmen profitieren. Man wolle ausländische Technologie durch chinesische ersetzen und zu einem Land der Innovationen werden. Dieses Szenario mag auf manchen europäischen Hersteller bedrohlich wirken.

Fazit: Der Kongress gab Ausblicke in die Zukunft, Einblicke in aktuelle Herausforderungen, denen sich die Maschinenbauer stellen müssen und vermittelte den Eindruck, dass die Hersteller intensiv an Lösungen arbeiten, um auch zukünftig im Markt bestehen zu können. Es hat sich gelohnt, an diesem Kongress teilzunehmen.

www.cece.eu