REACH Kandidatenliste … jetzt auch Blei

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Jetzt hat es auch Blei auf die REACH Kandidatenliste geschafft und muss zukünftig mit erhöhten Anforderungen bezüglich der Weitergabe von Information versehen werden.

Das bei der Weitergabe und dem Import von Erzeugnissen Informationen nach dem EU Chemikaliengesetz REACH gegeben werden müssen, ist seit 2007, seit dem Inkrafttreten von REACH eine bekannte Verpflichtung. Das sich die Anforderungen bei der Betrachtung von Erzeugnis mit dem EuGH-Urteil vom September 2015 drastisch verschärft haben ebenfalls. Bereits damals haben wir seitens des VDMA Baumaschinen und Baustoffanlagen eine Broschüre mit Lösungsansätzen erstellt und unseren Mitgliedern an die Hand gegeben. Diese Broschüre tritt mit der Aufnahme von Blei auf die Kandidatenliste wieder aktuell in den Vordergrund.

Blei kommt dazu – Vorgehensweise bleibt die Gleiche
Zwar ändert sich an der grundsätzlichen Vorgehensweise der Informationsweitergabe entlang der Wertschöpfungskette nichts, doch Blei ist als Bestandteil und Zusatzstoff leider in vielen Legierungen und Anwendungen und daher auch in vielen Erzeugnissen des Maschinen- und Anlagenbaus enthalten. Ab einer Menge von 0,1 Massenprozent w/w bezogen auf das jeweils einzelne Erzeugnis (in komplexen Erzeugnissen die jeweils einzeln enthaltenen Erzeugnisse) muss daher zukünftig auch für Blei die erforderlichen Informationen für eine sichere Verwendung des Erzeugnisses gegeben werden.

Wo überall ist Blei denn enthalten?
Blei (seit 2006 als krebserregend und seit 2018 als reprotoxisch eingestuft) findet sich im Maschinen und Anlagenbau zum Beispiel in Halbzeugen (Profile, Bleche, Rohre oder Drähte), in Erzeugnissen aus Automatenstählen, in Lagermetallen sowie in Erzeugnisse aus bleihaltigen Kupfer- oder Aluminiumlegierungen, wie sie häufig in elektronischen Komponenten Verwendung finden.

Erhöhter Aufwand bei Betrachtung und Informationsweitergabe
Aufgrund der Vielzahl der Erzeugnisse, in denen sich Blei als Bestandteil befindet, ist daher mit der Aufnahme auf die Kandidatenliste und die damit einhergehende Informationspflicht eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Im Falle des Bezuges von Erzeugnissen innerhalb der Europäischen Union ist dies eher unbedenklich, dass der vorgeschaltete Lieferant die gleichen Informationspflichten hat und von daher die erforderlichen Informationen mit dem Kauf des Erzeugnisses an den Käufer weiterzugeben hat.

Problemstellung „Import von Erzeugnissen“
Anders sieht dies im Falle des Imports eines Erzeugnisses von außerhalb der Europäischen Union aus, denn hier liefert der Lieferant die erforderlichen Informationen keineswegs so einfach mit. Lösungsansätze hierfür finden sich in der VDMA Broschüre „EU Chemikalienrecht REACH Lösungsansätze zur Betrachtung von Erzeugnissen nach dem EuGH Urteil vom 10. September 2015“ des Fachverbands Baumaschinen und Baustoffanlagen, die in deutscher und englischer Sprache verfügbar ist.

GANZ WICHTIG:
Für beide Fälle (Kauf von Erzeugnissen in der EU/Import von Erzeugnissen) gilt: Erzeugnisse, die REACH unterliegen, sind NICHT einstufungs- und kennzeichnungspflichtig. Für diese Erzeugnisse (z. B. Profile, Bleche, Rohre oder Drähte), aber auch komplexere Erzeugnisse müssen KEINE Sicherheitsdatenblätter erstellt werden!!

Zudem bleiben alle bisher richtigen und notwendigen Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit bleihaltigen Materialien gültig.

Selbstverständlich steht Ihnen auch jederzeit unser Experte Dr. Darius Soßdorf zur Verfügung, der das Thema REACH seit 2002 im VDMA intensiv begleitet.

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