Europäische Initiativen gegen den Fachkräftemangel

CECE

Demografischer Wandel, zu wenige Frauen, Ingenieurmangel, harter Wettbewerb, schwierige Personalsuche, zu wenig Interesse an MINT-Fächern, schlechtes Image und fehlende digitale Kompetenz gehören zu den größten Herausforderungen der Bau- und Baumaschinenindustrie. Wichtige Branchenplayer tauschten sich dazu auf einer “Skills Breakfast Debate“ im Europäischen Parlament aus.

CECE, der europäische Arm des VDMA Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen, hat sich das Thema Fachkräftemangel und -schulung auf die Fahnen geschrieben. Man will den Dialog mit Unternehmen und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette und der Politik verstetigen und vorantreiben. Deshalb hatte das CECE am 22. November zu einer „Skills Breakfast Debate“ im Europäischen Parlament eingeladen. Gekommen waren Vertreter der Bauindustrie, der Baumaschinenhändler und -vermieter, Abgeordnete, EU-Kommissionsmitglieder und weitere Partner der Industrie. Gastgeber war Brando Benifei, EU-Abgeordneter und Mitglied des “Employment Committee”.

"Kinder wollen Ingenieur werden"
Das sagte Susan Scurlock, die Gründerin der in Großbritannien höchst erfolgreichen Initiative “Primary Engineer”. Man müsse sie nur früh in den Schulen dazu inspirieren. Priorität sei es Lehrer, vor allem in Grundschulen, für das Thema Technik zu begeistern und dann zu schulen. Mit „Primary Engineer“ kommt Technik in die Lehrpläne und Ingenieure in die Klassenzimmer der Kleinsten. Das Wichtigste dabei sei Beständigkeit und Konsistenz durch professionelle Begleitung: Projektarbeit, Wettbewerbe oder der Besuch von Messen. Laut Susan Scurlock beteiligten sich beispielsweise landesweit über 60.000 Schüler/rinnen am Wettbewerb: „Wenn ich Ingenieur wäre, was würde ich erfinden?“ CECE Präsident Bernd Holz stellte auch die VDMA Initiative „THINK BIG!“ vor, die darauf zielt, Schüler/innen auf Messen wie der bauma und der steinexpo, für Maschinentechnik und den Sektor zu begeistern.

Weitere Informationen: https://www.primaryengineer.com/
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EU finanziert digitale Weiterbildung von Studierenden
Lucilla Sioli, Vertreterin der EU Kommission, betonte, dass es überall in Europa an digitaler Kompetenz mangele. Das bedrohe die Wettbewerbsfähigkeit. Es sei wichtig, in ganz Europa deutlich mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu erreichen. Laut Sioli besitzt einer von drei EU-Bürgern überhaupt keine digitalen Fähigkeiten. Der Handlungsspielraum der EU-Institutionen dieses zu ändern, sei jedoch begrenzt. Gefordert seien in erster Linie die Mitgliedsstaaten. Ab 2018 wird die EU das mit 10 Millionen Euro geförderte Programm “Digital opportunity pilot project” auf den Weg bringen. Finanziert im Rahmen des Budgets von “Horizon 2020“ werden Studierende die Möglichkeit haben, direkt nach ihrem Studium in technische Abteilungen von Unternehmen zu gehen. Dort sollen sie lernen, was es konkret mit Industrie und Bauen 4.0 auf sich hat. Zwischen 5.000 und 6.000 Studierende werden in den Genuss kommen. Sollte sich das Projekt als erfolgreich erweisen, könnte es fortgeführt werden.

Weitere Informationen: https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/digital-skills-jobs-coalition

Jobs im Wandel
Der schnelle technologische Wandel verändert auch die Art der Jobs auf Baustellen oder in der Baumaschinenindustrie. Beispiel Baumaschinenführer: Schon heute regiert nicht mehr nur der Joystick, sondern das Tablet und die Software in der Fahrerkabine. Aber digitale Zukunft wird nicht mehr nur heißen, diese smarten Maschinen zu steuern. Über kurz oder lang wird der Baumaschinenfahrer zum Bediener komplexerer Systeme und zum Manager zentraler Prozesse auf der Baustelle. Dazu wird er  mehr digitales Knowhow benötigen, mehr Softwarekenntnisse und ein gutes technisches Verständnis über das Zusammenwirken von automatisierten Maschinen. Aber nicht nur die Anforderungen ändern sich, auch der demographische Wandel tut sein übriges. Fachkräfte fehlen schon heute überall, bald geht auch die Babyboomer-Generation von Bord und junge Menschen für die Baumaschinenindustrie zu begeistern, bleibt schwierig. Unternehmen und Verbände strengen sich heute schon immens an, um hier Lösungen zu finden. Die Teilnehmer der „Breakfast Debate“ waren sich einig, dass es in Europa an Bewusstsein und Aufmerksamkeit für das Thema mangelt. Sie wollen den Dialog fortsetzen und gegebenenfalls Initiativen abstimmen, um gemeinsam mehr zu erreichen. Jean-Louis Marchand, Präsident des Europäischen Bauverbandes FIEC, nannte als Beispiel dafür auch die gemeinsame Initiative „Working safer with construction machines“ von EFBWW, CECE und FIEC. Sein Credo zum Abschluss der Veranstaltung: „Wir müssen gemeinsam vorangehen“.

Weitere Informationen: http://www.fiec.eu/en/themes-72/working-safer-with-construction-machines.aspx
Blick nach Europa immer aktuell auf: http://www.cece.eu