Indien: Nach der Wahl ist vor dem Boom

VDMA

VDMA-Mitglieder diskutieren beim India Management Meeting die Branchenaussichten. Unternehmen erwarten nach neuem Mandat für Modi-Regierung starkes Wachstum der Bauindustrie. Infrastrukturinvestitionen stimulieren Maschinenbedarf nachhaltig. Exporte von Baumaschinen und Baustoffanlagen aus Indien heraus nehmen zu.

Auf Einladung von ZF India Pvt. Ltd. fand das 16. VDMA India Management Meeting für die Baumaschinen- und Baustoffanlagenbranche in Pune statt. Für die 19 Teilnehmer stand der Austausch über die konjunkturelle Lage des Sektors im Mittelpunkt. Nach zwei sehr starken Jahren 2017 und 2018 mit dem Erreichen neuer Höchststände im lokalen Markt zeigt sich 2019 bislang eine deutliche Delle. Im ersten Quartal wuchs der indische Markt noch moderat, drehte im zweiten Quartal aber ins Minus. Hauptgrund hierfür war die volkswirtschaftliche Abkühlung im Umfeld der Parlamentswahlen im April und Mai. Außerdem machte sich der Ausfall einiger Finanzierungsgesellschaften negativ bemerkbar.

Die Wiederwahl Modis, dessen Regierung in den letzten fünf Jahren große Infrastrukturprogramme erfolgreich umsetzen konnte, wird von den Zulieferern in die Bau- und Baustoffindustrie als sehr positives Signal gesehen. Für die nächsten Jahren kann weiterhin von einem jährlichen Wachstum der Bauwirtschaft zwischen 7 und 10% ausgegangen werden, was den Maschinenabsatz deutlich nach oben treiben dürfte. 2020 erwarten die Hersteller bereits ein deutlich zweistelliges Absatzplus.

Die stärksten Wachstumsimpulse kommen nach wie vor aus dem Straßenbau. Allerdings bringen diese Einseitigkeit – Wohnhochbau, Wirtschaftsbau und Tiefbau zeigen kein nachhaltiges Wachstum – sowie die Abhängigkeit von staatlichen Investitionsprogrammen natürlich auch Gefahren mit sich. Nur wenn sich dauerhaft ein selbsttragender Aufschwung in der Bauindustrie einstellt und der Immobilienmarkt in den größeren Städten stabil bleibt, wird der Markt insgesamt sein Potenzial ausschöpfen können.

In Indien investierte deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Aktivitäten Schritt für Schritt ausgeweitet und insbesondere die lokale Wertschöpfung deutlich erhöht. Damit gelingt es auch zunehmend, mit Exporten aus indischen Produktionsstätten wettbewerbsfähig zu sein. Hauptexportmärkte sind die süd- und südostasiatischen Nachbarländer sowie der Mittlere Osten.

ZF ist seit 1984 auf dem indischen Markt aktiv und beschäftigt inzwischen über 10.000 Mitarbeiter. Am Standort Pune werden Komponenten für die PKW- und Nutzfahrzeugbranche gefertigt. Die Achsen für Baumaschinen werden in einem weiteren Werk in Coimbatore gebaut.

Das VDMA India Management Meeting ist die halbjährliche Informations- und Netzwerkplattform für das lokale Management der Mitgliedsunternehmen aus dem Bereich Baumaschinen und Baustoffanlagen sowie deren Zulieferer. Das nächste Meeting wird im Dezember 2019 anlässlich der Messe Excon in Bangalore stattfinden.