VDMA-Firmen in Brasilien: Schwierig aber längst nicht hoffnungslos!

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Am 16.06.2020 fand das virtuelle Brazil Management Meeting des Fachverbands Baumaschinen und Baustoffanlagen statt. Zusammen mit dem Brasilienbüro des VDMA in Sao Paulo kamen 14 Vertreter brasilianischer Tochterunternehmen von VDMA-Mitglieder zusammen, um sich über die aktuelle Lage auszutauschen.

Schnell wurde klar, dass eine große Diskrepanz zwischen der Brasilienwahrnehmung in Deutschland und jener der in Brasilien aktiven Unternehmen besteht. Dies ist wohl mitunter dem Umstand geschuldet, dass die schwierige politische Situation unter der Regierung Bolsonaro und das unkontrollierte Fortschreiten der Covid-Pandemie jeglicher Nachricht zu Brasilien eine negative Färbung geben. Tenor der lokalen Geschäftsführer ist, dass die Pandemie negative Auswirkungen auf die Nachfrage habe, diese jedoch nicht gänzlich weggebrochen sei. In manchen Teilbranchen wie Bergbau und Lebensmittelindustrie liefen Neuaufträge und Produktion fast ungehindert weiter. Darüber hinaus lasse die momentane Beschreibung des Landes außer Acht, dass das erste Quartal über die Erwartungen hinaus gut ausgefallen war. So kommt es, dass einige Unternehmen trotz Covid 19 davon ausgehen, ihre Ende 2019 für 2020 definierten Ziele zu erreichen.

Problematisch stellt sich für viele Firmen die rasante Abwertung des brasilianischen Reals gegenüber dem Euro da. Die meisten Mitglieder vor Ort importieren zumindest die Kernkomponenten ihrer Produkte vom deutschen Mutterhaus. Die Abwertung gegenüber dem Euro betrug rund 40% zwischen Januar und Mai 2020. Folgendes Beispiel soll erläutern, inwiefern die brasilianischen Tochterunternehmen betroffen sein können: Das Tochterunternehmen kauft bei der deutschen Mutter eine Maschine bei einem Wechselkurs von 1:5. Somit ist die Maschine in Brasilien auf Grundlage dieses Kurses eingebucht. In einem sechsmonatigen Vertriebsprozess wird die Maschine zum entsprechenden Preis auf dem brasilianischen Markt verkauft. Inzwischen ist der Wechselkurs jedoch bei ca. 1:7. Wenn die brasilianische Tochter also die Maschine am Lager ersetzt, wird der neuerliche Import der gleichen Maschine entsprechend teurer. Diese Differenz kann ja nach Marktlage den Gewinn aus dem Verkauf partiell oder gänzlich auffressen, in manchen Fällen gar Verluste generieren. Dies führt in der Praxis dann zu der grotesken Situation, dass manche Unternehmen in der Krisensituation ihr Verkäufe drosseln und stattdessen versuchen, mit Miet- und Leasingangeboten der Währungsfluktuation gegenzusteuern.